Ferrari One-Off_Eric Clapton

Slowhand, Fast Car

In der Welt des Hauses Ferrari gibt es nichts wertvolleres als die Möglichkeit zu besitzen sein ganz eigenes Modell zu kreieren. In einem exklusiven Gespräch mit The Official Ferrari Magazine erzählt Eric Clapton was ihn dazu inspiriert hat.

Eric Clapton ist einer der besten lebenden Gitarrenspieler. Ferrari ist einer der besten Automobilbauer. Wenn sich nun diese Beiden zusammentun ist das Ergebnis sensationell genug, um den Verkehr in London zum Erlahmen zu bringen und – nachdem es sich herumgesprochen hat – beinahe das Internet zusammenbrechen lässt.

Ferrari One-Off_Eric Clapton

Im HR Owen Ferrari Showroom im schicken Londoner Stadtteil Kensington wird ein ungewöhnlich aussehender Wagen vorsichtig in Position gebracht. Plaketten und Silhouette deuten darauf hin, dass es sich definitiv um einen Ferrari handelt und er die Proportionen eines 458 Italia aufweist. Doch die Form ist eine fantastische Interpretation verschiedener Ferrari- und Pininfarina-Designs verschiedener Epochen, die in ein atemberaubendes retro-modernes Ganzes verschmelzen. Was würde man selbst tun, wenn man die Möglichkeit hätte seinen eigenen Ferrari zu kreieren? Im Falle von Eric Clapton war das Ergebnis der SP12 EC.

„Als man mir die Idee zum ersten Mal präsentierte, dachte ich ’das ist eine Gelegenheit, die ich mir nicht entgehen lassen sollte’. Solange diese Tür offensteht sollte ich hindurchgehen,“ sagt Eric und lacht.

Wer Claptons Musik kennt, der weiß, dass er jemand ist, der Tradition respektiert. Wie zahlreiche andere seiner Generation in den 60ern etablierte er sich während eines einzigartigen Pop- und Rock-Booms, bei dem Blues begeisterte Kunstakademiestudenten die Arbeiten ihrer Musikidole interpretierten, nur um diese später ins Land ihres Ursprungs zurückzubringen. Mit The Yardbirds, John Mayall’s Bluesbreakers, Cream, Blind Faith, Derek & The Dominoes und schließlich als Solokünstler machte Clapton aus seinem Blues reines Gold. Als einziger Gitarrist, der Legenden wie Jimi Hendrix und Jimmy Page ebenbürtig war, ließen Erfolg und Reichtum nicht lange auf sich warten. Doch Clapton erlebte nicht nur ungeahnte Höhen sondern auch schwere Krisen. Daneben spielte jedoch auch stets Ferrari eine Rolle in seinem Leben. Wie er sich in unserem Magazin (Nr. 3, 2008 Jahrbuch) erinnerte, kam sein Freund George Harrison an einem Nachmittag im Jahre 1969 mit einem Ferrari 365 GTC vorgefahren („das schönste Auto, das ich je gesehen hatte“). Dies war der Auslöser für eine lebenslange Leidenschaft.

Ferrari One-Off_Eric Clapton
Ferrari One-Off_Eric Clapton

Nun hat er zur Legende des Hauses Ferrari auf die bestmögliche Art beigetragen, indem er sein ganz eigenes Modell kreierte. „War es eine angenehme Erfahrung? Oh, ganz unglaublich. Eine der befriedigendsten Dinge, die ich jemals getan habe. So etwas wird es nie mehr geben. Das bin ich, im Alter von sieben Jahren, der [Juan Manuel] Fangio und [Alberto] Ascari hört. Alles passt…“ Man erwartet von Eric Clapton nicht, dass er ein Fan ist. Von Menschen seiner Größe erwartet man, dass sie über solcher Art von Dingen stehen. Doch Fan ist genau das richtige Wort, wenn man ihn enthusiastisch von Ferrari sprechen hört und all dem, was das springende Pferd ihm im Laufe der Jahre gegeben hat. Dann sieht man, dass der Mann, der der Welt die Riffs von „Layla“ oder das atemberaubende Solo auf Creams „Strange Brew“ beschert hat, vom Sound eines V12-Triebwerks mitgerissen werden kann. Diese Leidenschaft auf den eigenen Wagen zu übertragen, bringt uns in eine ganz andere Dimension. Clapton wurde bei der Planung und Entwicklung von Ferraris Design Centre unter der Leitung von Flavio Manzoni sowie einem Team von Pininfarina unterstützt, um den SP12 EC zu etwas ganz besonderem zu machen und die Stückzahl der Special Project (SP) Abteilung bei Ferrari in den zweistelligen Bereich zu bringen. Dies ist der Eintritt ins verheißene Land, wo es weit über die Sonderausstattungsliste und sogar über die fantastischen Möglichkeiten der Tailor-Made-Programme hinausgeht. Doch damit, so Clapton, geht auch eine gewisse Verantwortung einher, die nichts für zaghafte Gemüter ist. „Es ist eine große, weiße Leinwand, mit der man arbeiten kann,“ sagt Clapton. „Ich habe herausgefunden, dass einige Leute eine gewisse Strecke darauf zurückgelegt hatten, nur um dann aufzugeben. Die unglaubliche Freiheit hatte sie einfach umgehauen.“

„Es besteht kein Zweifel daran, dass man eine ganz klare Vorstellung davon haben muss, was man will, denn am Ende wird es ja für alle sichtbar sein. Es sollte also dann doch bitteschön verdammt gut sein! Es ist wie ein Spiegel der Art, mit der ich Dinge betrachte, meines Geschmacks; und das ist eine ziemlich große Verantwortung. Es ist in gewissem Maße auch angsteinflößend. Dies ist auch teilweise der Grund, weshalb ich nicht mit einer vollkommen weißen Leinwand begann: ich habe mich entschlossen einen anderen Wagen zu huldigen. Den BB 512i, denn das war der Wagen, mit dem ich die beste Zeit verbracht habe.“ Im Laufe der Jahre hatte Eric drei der Boxer Berlinettas. Mit einem dieser Wagen hatte er einen schweren Unfall („meine Schuld“) und denkt, dass die Integrität des Designs dieses Modells ihm das Leben gerettet hat. Man kann somit durchaus Designelemente des BB im neuen Einzelstück aufblitzen sehen, wobei man hier vor allem die Motorabdeckung und die Dreiviertelansicht des Hecks nennen muss. Er hätte gerne ein V12-Triebwerk gehabt, sagt er, doch als seine BB-Hommage begann Form anzunehmen, war er davon überzeugt, dass der 458 eine praktischere und flexiblere Vorlage abgeben würde. Das Projekt erforderte zahlreiche Reisen nach Maranello und Turin, die per se niemals als Mühsam zu verstehen sind. Für Eric war es zudem eine Art Pilgerreise. „Mit einem legitimen Grund Pininfarina zu besuchen war einfach fantastisch, die Jungs und die Familie treffen. Es gibt Fotos von mir in einem Lancia Astura, einem der ersten von Pininfarina entworfenen Wagen. Ein enormes, beeindruckendes Ding, das ich auf einer Auktion gekauft habe. Ich habe aber keine Ahnung, wo er sich jetzt befindet….“ Gesetzliche Vorschriften führen dazu, dass, während die Karosserieform keinerlei Einschränkungen unterliegt, SP-Wagen den technischen Eckwerten eines bereits existierenden Wagens entsprechen müssen. Ferrari wird keinerlei Teile erneut abnehmen und alles, was die Zuverlässigkeit oder die Qualität des Wagens in Frage stellen könnte, ist ebenfalls nicht gestattet. Es gibt nichts, was man bei Ferrari über Leistungsoptimierung nicht wüsste, womit zusätzliches „Tuning“unnötig wird. „Unsere Special Project-Wagen werden mit der gleichen Design-Sorgfalt wie unsere Serienwagen entwickelt,“ sagt Ferrari CEO Amedeo Felisa, „so dass sie auf normale Weise abgenommen und somit auf der Straße gefahren werden können.“ Doch die Freiheit, die das Special Project bietet, findet man auf ganz verschiedenen Ebenen.

Ferrari One-Off_Eric Clapton
Ferrari One-Off_Eric Clapton

„Es ist ein befreiender Prozess,“ erklärte Design-Direktor Flavio Manzoni vergangenen Sommer, als wir mit ihm über die SP-Abteilung sprachen. „In gewisser Weise ist es, wie wenn man ein Concept Car schafft.“ (Manzoni war für Claptons Vorschläge Feuer und Flamme). Sich für die Entwicklung eines solchen Wagens zu entscheiden ist ein allumfassendes Erlebnis, wie der Musiker selbst schnell herausfand, jedoch vermutlich nichts für unentschlossene Individuen. Zum Glück ist Clapton ein Mann, der weiß, was er will und zudem mit einem extrem entwickelten Sinn für Ästhetik ausgestattet ist. Clapton ist wohlbekannt für sein Interesse an Mode, Kunst und Design. „Den 250 LM, den Lusso und den Boxer mochte ich schon immer,“ sagt er bezüglich seiner Inspirationsquellen. „Man sieht etwas wie den LM und man weiß, dass er einfach funktionell war. Doch wie bekommt man nun eine Haut darüber? Das Design war beinahe zufällig Die Jungs wussten ,was ich im Laufe der Jahre besaß und genoss und sie hatten bereits eine Vorlage für eine Hommage an den BB ausgearbeitet. Nachdem wir uns für den 458 als Plattform entschieden hatten, ging es nun darum alles richtig zu machen und meine Auflagen umzusetzen.“ „Eine ganze Menge machte man mir wirklich einfach,“ so Clapton. „Ich hatte die Wahl zwischen fünf oder zehn Materialien oder Optionen und sagte einfach ‚die hier’.Diese Wahl, zusammen mit anderen Entscheidungen, wurde dann für die nächste Präsentation übernommen, womit sich schon bald dieses Ding hier daraus entwickelte.“

Es war eine echte Zusammenarbeit, eine, die in allen Bereichen problemlos ablief, trotz Claptons legendärem Perfektionismus. „Es gab weder Reibung noch Meinungsverschiedenheiten,“ sagt Clapton. „Die geneigte Zweitonlinie, die entlang des Wagens läuft wollte ich plötzlich gerade haben. Sie bereiteten ein Modell aus Harz mit zwei verschiedenen Seiten auf einer Drehbank vor. Sie hatten Recht. Die Jungs sind die Designer. [Pause] Ich rechne mir für den Wagen überhaupt nicht viel Verdienst an. Ich war da und sagte ‚Oh, ja, genauso hätte ich es gemacht….’“ Jeder, der mit der Komplexität von Fahrzeugdesign etwas vertraut ist weiß, dass das HVAC-System (die Klimaanlage) eine Schlüsselrolle spielt und eine ernsthafte Herausforderung darstellt. Deshalb ist das Interieur des SP12 EC auch weitgehend mit dem des 458 identisch, ausgenommen die Hinzufügung einer Armauflage. Schließlich benötigt Clapton ja eine Lehne, auf der er seinen berühmten linken Arm ausruhen kann. Das hellbraune Leder zeugt von seiner Klassizität. „Ich gebe unumwunden zu, dass das Konzept ein Armaturenbrett eines modernen Wagens zu entwerfen weit über meine Möglichkeiten hinausgeht.“ Lacht Clapton. „Das ist eine ganz andere Baustelle.“ Die Scheinwerfer stammen vom Enzo und Eric bringt seine Begeisterung für die geschmeidigen Vorderkotflügel zum Ausdruck. “Als ich den 458 zum ersten Mal sah, dachte ich, dass die Kotflügel die Prinzipien des P3/4 thematisieren. Ich hätte große, ovale Scheinwerfer bevorzugt, aber am Ende entschieden wir uns aus rechtlichen Gründen für die des Enzo. Wir wollten es so schön wie möglich und gleichzeitig funktionell machen. Ein Wagen muss ja schließlich funktionieren.“ Dies ist ein Kommentar von großer Bedeutung. Clapton respektiert Geschichte, doch er hat kein Problem damit einen Wagen schnellstmöglich loszuwerden, sollte er nicht seinen Maßstäben entsprechen. Etliche edle Fahrzeuge kamen und gingen bereits wieder nach nur wenigen Wochen. Er ist ganz offensichtlich jemand, der Dummköpfe nicht ertragen kann… oder eben schlecht gefertigte Autos. Wie man es nicht anders erwartet, hat Clapton einige ganz besondere Geschichten zu erzählen.

Ferrari One-Off_Eric Clapton
Ferrari One-Off_Eric Clapton

„Ferrari war Motorsport. Als ich ein Junge war gab es Alfa Romeo, Mercedes und Ferrari. Ferrari war stets da, immer danach strebend Nummer eins zu sein. Ich erinnere mich, als ich Maranello besuchte und Enzo, im Fond eines Fiats, das Werk verlassen sah als ich ankam. Ich kann mich nicht an viele Dinge erinnern, die mich derart begeistert haben wie der Moment in dem ich Enzo Ferrari sah. [Pause] Ich traf Elvis und ich denke, ich war von ihm nicht so sehr beeindruckt wie von Enzo. Der hatte etwas ganz besonderes, er war ein wirklich furchteinflößender Kerl. „ Elvis gegen Enzo: hier konnte man es zuerst lesen.… Mein Produktionsmanager kannte einen seiner Kumpel, der sagte, wir sollten vorbeikommen sollten wir in der Stadt sein. Und dann gingen wir in dieses Kino, mitten in der Nacht, in Memphis, das eigens für Elvis geschlossen war. Er saß mit seinen Jungs vor uns und sie dachten sich die Dialoge für einen Film aus. Elvis war sehr nett und sehr aufgeschlossen, wie ein knuddeliger Teddybär. Enzo hingegen machte den Eindruck als wäre er einer jener, der alle links liegen lässt, sofern sie nicht etwas haben, was er braucht. Ihn im Fond des Wagens zu sehen… er war es einfach, daran bestand kein Zweifel.“ Enzo Ferrari hätte Eric Clapton zweifellos geschätzt. Er hätte seine Hingabe und seine sachliche Art gewürdigt. Und während das Einzelstück SP12 EC nun aufgrund seiner Exklusivität und des Status seines Erschaffers in die Annalen Ferraris eingeht, ist der Wagen trotz allem immer noch ein Fahrzeug, das es zu fahren gilt, so wie eine Fender Stratocaster existiert, um gespielt zu werden.

„Einen BB512i zu fahren war wie vor einen V12 geschnallt zu sein,“ erinnert sich Clapton. „Für eine Weile schüchterte es mich ein. Doch dann war ich eines Tages Angeln und als ich nach Hause fuhr bemerkte ich, dass ich die Rute vergessen hatte. Es wurde bereits dunkel, doch ich mochte die Angel sehr gerne und wusste, dass sie am kommenden Tag nicht mehr da sein würde. Ich drehte um und fuhr, mit einer ganz anderen Perspektive, so schnell ich konnte. Und das war der Moment als ich begann den Wagen wirklich zu beherrschen. Ab diesem Zeitpunkt hatten wir eine fantastische Zeit zusammen.“ Er nimmt einen Schluck Mineralwasser und fährt fort: „Das muss ich nun auch mit diesem Wagen hier machen. Auch wenn es ein wunderschönes Einzelstück ist, man muss ihn doch richtig nutzen… das ist wie ein Pferd zu reiten. Irgendwann ist der Punkt gekommen an dem man eine Beziehung aufbauen muss. Es wird also womöglich ein paar Dellen geben… aber ich denke, dass das in Ordnung geht.“

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